Nähen lernen à la YouTube – So habe ich das Nähen gelernt

Nähen lernen

„Wow, wo hast du das her?“ … „Selbstgenäht? Du? Wo und wie hast du das gelernt?!“

Waren unter anderem die häufigsten Reaktionen als ich an unserer „Kerwa“ (fränkisch für Kirchweih, Volksfest) in 2014 mein erstes selbstgenähtes Dirndl ausgeführt habe. Auf noch viel größere Überraschung stieß allerdings meine Antwort auf die Frage, wo ich das Ganze denn gelernt hatte – nämlich ganz „neuzeitgemäß“ mit YOUTUBE.

(Ok, vielleicht stieß es auch nur auf so große Verwunderung, da die Frage v.a. von den Eltern meiner Freunde kam und dort die meisten (nicht alle – Ausnahmen bestätigen ja bekanntlich die Regel) nicht täglich auf Facebook, YouTube, Instagram und Co unterwegs sind 😉 )


Nähen lernen – Aber wie?

Den Wunsch richtig Nähen zu können hatte ich schon ziemlich lange. Meine Oma war Näherin in einer Großfabrik und meine Mama hat mir in meiner Kindheit jedes Faschingskostüm, das ich wollte, mit der Nähmaschine gezaubert. Auch wenn es ihr, wie ich im Nachhinein erfahren habe, nicht soooo viel Spaß gemacht hat, wie es nun bei mir ist ;). Leider hatte sich jedoch nie wirklich die Gelegenheit ergeben einen Nähkurs zu besuchen, da ich aufgrund meines Studiums ziemlich eingespannt war oder einfach nicht das Geld (das „arme“ Studentenleben 🙁 ) hatte.

Mit Abgabe meiner Masterarbeit und meiner dadurch neu gewonnenen Freizeit habe ich dann Weihnachten 2013 beschlossen endlich mit dem Nähen anzufangen. Schließlich muss man ja irgendwann mal damit beginnen, die Dinge, die man auf seiner imaginären „To-Do-Liste“ fürs Leben stehen hat, abzuhaken. Beim Surfen durch verschiedene Blogs bin ich schließlich auf den Blog pattydoo von der wundervollen Ina aufmerksam geworden. Ihre Nähtutorials inkl. Videos vermitteln einem sofort das Gefühl, dass Nähen eigentlich gar nicht so schwierig ist. Hochmotiviert hatte ich mir als erstes Projekt sofort die Kosmetiktasche Susie mit Kellerfalten und Reißverschluss ausgesucht – wenn schon, denn schon war mein Motto. Euphorisch habe ich mir dann meine Mama geschnappt und bin mit ihr in das nächstgelegene Stoffgeschäft gefahren – schließlich brauchte ich ja jemanden der Ahnung von der ganzen Materie hat und wer wäre da nicht besser geeignet gewesen.

Zwei Stunden und drei kleine 20 cm breite Stoffstreifen später saß ich zu Hause und habe mir erst einmal Mama’s Nähmaschine erklären lassen. Faden einfädeln, spulen, verriegeln etc. Wie ihr seht, hatte ich wirklich überhaupt keine Ahnung :). Nach ein paar Probenähten auf alten Stoffresten startete das Projekt Kosmetiktasche. Meine Mum war zunächst doch etwas skeptisch, ob ich Kellerfalten und Reißverschluss bei meinem ersten Nähprojekt gleich hinbekommen würde.

Akribisch hielt ich mich an das Video, drückte Pause, spulte wieder zurück und habe natürlich auch relativ schnell Bekanntschaft mit dem Auftrenner gemacht (wer liebt ihn nicht 🙂 ). Nach 5-6 Stunden feinster Fummelarbeit konnte ich dann um 23:00 Uhr mein erstes selbstgenähtes Werk in den Händen halten – und es war gar nicht mal sooo schlecht. Etwas schief und an der ein oder anderen Stelle trafen die Kellerfalten nicht exakt aufeinander – aber es hat funktioniert!

 

Susi nach pattydoo

Meine ersten beiden, noch etwas schiefen Susis nach pattydoo 😉

Nach dem ersten Kosmetiktäschchen folgten dann noch weitere Täschchen, Taschen und Kissenbezüge und ich merkte, wie viel Spaß und Freude ich am Nähen habe und, dass es mich total entspannt. Man vergisst einfach die Zeit und schwups ist es 3:00 Uhr nachts. Aber das kennt ihr sicherlich auch 🙂 .

Nach etlichen Taschen und Deko-Dingen, wollte ich mich im nächsten Schritt an Kleidung wagen. Und natürlich sollte es zu Beginn nicht ein einfaches T-Shirt sein, sondern ich hatte mir in den Kopf gesetzt ein Dirndl zu nähen. In meinem Kopf hatte ich auch schon eine ganz genaue Vorstellung davon, wie es denn aussehen sollte. Ich dachte mir: „Du kannst geradeaus Nähen, also müsste das schon klappen. Wenn du die Nähanleitung nicht verstehst, google einfach oder frag zur Not jemanden. Irgendwie wird das schon hinhauen.“ Und das hat es schließlich auch. Nach einer Woche mit vielen Stunden „Näharbeit“, einigen aufgetrennten Nähten und vielen Fragezeichen und vielen Google-Suchen später hatte ich mein erstes Kleidungsstück fertig und konnte es pünktlich zur „Kerwa“ im August 2014 und auf der Wiesn ausführen.

Nähen zu lernen ist nicht so schwer wie man denkt!

Die neue Nähschule

Deswegen – traut euch einfach! Fangt einfach an! Es ist oftmals nicht so schwer wie es aussieht. Und v. a. ist es total egal wie lange ihr dafür braucht, das Ergebnis was ihr am Ende in den Händen haltet belohnt euch so sehr. Mir haben zu Beginn die Nähtutorials von Ina auf ihren Blog pattydoo enorm geholfen. Mit ihrem Blog bringt sie einem das Nähen auf eine ganz einfache und unkomplizierte Art und Weise bei, die auch enorm viel Spaß macht. Ich kann euch ihren Blog wirklich sehr ans Herz legen. Zum Nachschlagen, v.a. wenn man nach Burda-Schnitten näht habe ich mir noch das Buch „Die neue Nähschule„* von Burda geholt. Dort wird sehr anschaulich mit Bildern erklärt wie man z.B. einen Nahtreißverschluss einnäht oder Ärmel einreiht. Und ansonsten gibt es für alles andere ja auch noch google 😉 – Also! Traut Euch!

Liebste Grüße

Eure Anja

 

Burda Nähkurs

Ein super Buch mit Basic-Schnitten und Schritt-für-Schritt-Anleitungen für Einsteiger. Perfekt, um die erste Short oder vielleicht sogar den ersten Blazer zu nähen 🙂 . Zu finden z.B. hier auf amazon*.

*Hierbei handelt es sich um Partnerlinks und ich erhalte eine kleine Provision, wenn ihr etwas über diesen Link kauft :).

7 Kommentare

  1. Anita sagt: Antworten

    Hallo Anja,
    Ich habe gestern deinen Blog durch Zufall entdeckt, als ich auf Youtube nach Anleitungen zum Dirndl nähen suchte. Ich war ganz begeistert von deinen Videos!
    Und in deinem Artikel zum Nähen lernen finde ich mich auch wieder 😉 Ich habe mich zum Abschluss meines Studiums vor 2 Jahren mit einer Nähmaschine belohnt und habe dann ebenfalls angefangen mir alles durch Youtube-Videos selbst beizubringen, wobei mir auch die pattydoo-Videos am meisten geholfen haben.
    Dein Blog gefällt mir jedenfalls sehr gut und ich bin schon gespannt, was du uns noch alles zeigen wirst!
    Viele Grüße
    Anita

    1. Anja sagt: Antworten

      Hallo liebe Anita!!!
      Das freut mich ja wirklich total 🙂 Dankeschön!! Ja mit youtube bekommt man heutzutage ja wirklich schon einiges hin 🙂
      Ich wünsche dir schon mal ganz viel Spaß beim Dirndl nähen 🙂 LG Anja

  2. Bianca sagt: Antworten

    Liebe Anja, ich finde deinen Nähblog einfach toll. Ich bin Nähanfängerin und bewundere gerade, wie schön deine Dirndl geworden sind. Von so etwas träume ich noch.
    Habe erst vor kurzem mein erstes Burda easy Kleid genäht (http://www.burdastyle.de/burda-style/damen/sommerkleid-traeger-auf-der-schulter-gebunden-kleider_pid_1301_13686.html) und das war nicht so easy wie gedacht… Jetzt steh ich vor der Frage: was nähe ich als nächstes? Hast du einen Tipp?
    Ich finde es einfach super, dass du deine Fortschritte so toll dokumentierst. Werde mir auf jeden Fall die beiden von dir empfohlenen Burda-Bücher zulegen und bin schon gespannt was du als nächstes zauberst 🙂
    LG
    Bianca

    1. Anja sagt: Antworten

      Hallo Bianca, erst mal ganz lieben Dank für deine netten Worte – das freut mich wirklich total und lässt mich ein bisschen rot werden 🙂 . Ja, die Burdaschnitte und v.a. auch die Burdaeasy Schnitte :). Ich habe letzte Woche auch aus der aktuellen Burda Easy eine Bomberjacke/Blouson genäht. Trotz der bebilderten Anleitung kann ich mir da aber auch vorstellen, dass man gerade als Nähanfänger dennoch wieder ein paar Fragezeichen im Kopf hat :). Und das Ärmeleinsetzen ist generell ja auch nicht ohne.
      Falls dir gerade die Bomberjacken zusagen und du dich schon einmal an eine Jacke wagen willst, kann ich dir den Burda Schnitt empfehlen, den ich letztes Jahr genäht habe (http://www.la-bavarese.com/2016/12/11/endlich-eine-bomberjacke/). Ich fand den Schnitt erstaunlich einfach und schnell genäht. Auch musst du keine Ärmel einsetzen, da sie bereits am Vorderteil enthalten sind.
      Ich trage meine Jacke wirklich gerne :).
      Lass mich gerne wissen, was es als nächstes bei dir geworden ist :).
      LG Anja

      1. Bianca sagt: Antworten

        Liebe Anja, die Bomberjacke gefällt mir unglaublich gut. Steht dir sehr !

        Aber das Schnittmuster hat ja den Schwierigkeitsgrad Mittel…! Holla! Aber toll, dass du dich davon überhaupt nicht beeindrucken lässt und dass deine Werke aussehen, als würdest du dein ganzes Leben über nichts anderes als das machen…!

        Ich glaube, ich werde einen Rock als nächstes versuchen – muss aber vorher noch mein Super-Easy-Kleid fertig versäumen… Mal sehen, ob ich es nicht irgendwann in die Ecke werfe vor lauter Frust… Ich mag versäumen irgendwie nicht.

        LG

        1. Anja sagt: Antworten

          Hallo Bianca, das ist so unfassbar süß von dir 🙈☺️ Lass dich aber nicht von den Schwierigkeitsgraden, v.a. bei Burda, verunsichern. Ich hab mit den „easy“ Sachen mehr Probleme als bei „mittel“ oder „fortgeschritten“. Und die Passform ist bei den „nicht easy“ Schnitten auch wesentlich besser. Sonst einfach mal mit nem alten Bettlaken ein Probestück machen :). Ja säumen mag ich auch nicht. Und Schnitt kopieren sowie zuschneiden schon mal gar nicht 😂🙈 dann noch viel Erfolg und toi toi toi bei deinem Kleid – du schaffst das ☺️ LG Anja

          1. Bianca sagt:

            Danke für deine lieben Worte… Dann werd ich’s mal fertig machen, mein Kleid…

            Freu mich schon auf deinen nächsten Post!

            LG
            Bianca

Schreibe einen Kommentar