Boho-Bluse Valentina Detailaufnahme Ärmel

Ärmel einhalten – So klappt’s endlich mit dem Ärmel einsetzen!

Jeder der in seiner Nähkarriere schon einmal mit Webware genäht hat, wird irgendwann an den Punkt kommen, dass er Ärmel einhalten muss. Ich kann mich noch genau an mein erstes Nähprojekt mit eingehaltenen Ärmeln erinnern. Ein Blazer! Ja, gleich die volle Schwierigkeitsdröhnung 😀 . Natürlich habe ich es NICHT geschafft den Ärmel ohne Fältchen einzunähen. Aber Übung macht ja bekanntlich den Meister und mittlerweile finde ich Ärmel einhalten sogar meditativ und freue mich am Ende auf das Ergebnis. Den meist sitzt das Kleidungsstück dann unglaublich super und bequem.

Bei meinen Schnittmustern VALENTINA und CHIARA müssen ebenfalls die Ärmel eingehalten werden. Im Gegensatz zum Kleid PAOLA mit leichten Puffärmeln, haben VALENTINA und CHIARA nämlich glatt anliegende Ärmel. Damit du in deinem Kleid an den Schultern eine schöne Bewegungsfreiheit hast, enthalten diese eine gewisse Mehrweite. Das bedeutet, dass die Strecke der Armkugel länger ist als die Strecke des Armloches. Im E-Book wird zwar schon beschrieben, wie du den Ärmel am besten einsetzt, aber oftmals kann man einiges in einem Video doch besser zeigen, als auf Bildern und mit Worten. Deswegen kommen nun hier meine Tipps inkl. Video, wie auch dir beim nächsten Mal das Ärmel einhalten sicherlich ohne Falten gelingen wird – am Beispiel meines Schnittmusters VALENTINA.

Ärmel einsetzen – Schnittteile vorbereiten

Bevor du deinen Ärmel einsetzt, sollten bereits deine Seitennähte geschlossen und versäubert sein. Bei besonders feinen Stoffen, wie Viskose (meine Tipps zum Nähen mit Viskose findest du HIER), wie ich sie auch für VALENTINA empfehle, würde ich dir zusätzlich raten ein Formband auf den Armausschnitt aufzubügeln. Viskose verzieht sich nämlich schnell einmal. Durch das Formband verhinderst du, dass dein Ärmel am Ende eine unschöne Form bekommt. Wichtig ist beim Formband, dass du die Länge des Formbandes anhand des Papierschnittmusters des Armausschnittes zuschneidest. Nur so hast du die wirklich exakte Länge des Armausschnittes. Falls du das Formband direkt auf deinen Armausschnitt bügelst und erst dann die Länge zuschneidest, könnte es nämlich sein, dass du deinen Ärmel bereits etwas verzogen hast.

Weitere Infos zum Formband und Kantenband oder Nahtband und deren Verwendung findest du auch HIER in meinem Blogbeitrag.

Ärmel einhalten – Vorbereitung

Nahtlinien auf linke Stoffseite übertragen

Wenn du im Ärmel einsetzen noch nicht so geübt bist, würde ich dir raten, dass du dir mit etwas Stoffkreide die Nahtlinie auf die linke Seite deines Ärmels, also der Armkugel, überträgst. Gerade beim Nähen in Rundungen passiert es schnell, dass man sich nicht mehr an die angezeichnete Nahtzugabe hält und diese vergrößert. Mit dem Einzeichnen der Nahtlinie verhinderst du dies, da du so deine exakte Nahtzugabe und Nahtlinie immer im Blick hast.

Ärmel mit größter Stichlänge einreihen

Das Einhalten der Mehrweite wird dir viel leichter fallen, wenn du zuvor deine Armkugel einreihst. Dafür stellst du deine Nähmaschine auf die größte Stichlänge. Ziehe dann etwas an deinem Ober- und Unterfaden, so dass diese etwas länger als üblich überstehen. Nehme dir anschließend deinen Ärmel und nähe nun ohne am Anfang und Ende zu verriegeln innerhalb deiner Nahtzugabe entlang der Armkugel mit der größten Stichlänge. Bei einer Nahtzugabe von 1cm setze diese Naht einfach im Abstand von 0,7cm. Falls in deinem Schnittmuster nichts angegeben ist, dann reihe deinen Ärmel einfach vom zweiten bis vorletzten Knips ein.

Ärmel einhalten

Durch das Einreihen mit größter Stichlänge wirst du bereits feststellen, wie sich die Mehrweite deiner Armkugel schon etwas „zusammenziehen“ wird.

Ärmel von der Ärmelseite aus feststecken

Jetzt geht es auch schon ans Feststecken. Drehe dafür dein Oberteil in das der Ärmel kommt auf links und deinen Ärmel auf rechts. Stecke nun deinen Ärmel in dein Oberteil, so dass die rechten Stoffseiten aufeinandertreffen.

Ärmel einsetzen

Deinen Ärmel steckst du nun von der Ärmelseite aus fest. D.h. dein Ärmel liegt beim feststecken oben und zeigt zu dir. Wir nähen später den Ärmel auch von der Ärmelseite aus fest. Dadurch erkennst du rechtzeitig, ob du deinen Ärmel faltenfrei einnähst.

Im ersten Schritt steckst du nun deine Ärmelnaht und deine Seitennaht des Oberteils flach aufeinander. Ich würde dir raten deine Stecknadeln immer senkrecht zu stecken und feine, dünne Stecknadeln zu verwenden.

Ärmel einhalten

Zum einen kannst du durch das senkrechte Stecken besser kontrollieren, dass sich die Mehrweite in der Nahtzugabe verteilt und zum anderen kannst du dir dadurch mehr Nadeln stecken und ggf. auch über diese nähen.

Nachdem du deine Ärmelnaht und Seitennaht aufeinander gesteckt hast, kannst du im nächsten Schritt die Knipse links und rechts dieser Naht flach aufeinander stecken. Bei meinen Schnittmustern ist außerdem das vordere Armloch und der vordere Teil der Armkugel jeweils mit zwei Knipsen gekennzeichnet. Dadurch wird garantiert, dass du deinen Ärmel nicht falsch herum einsetzt.

Anschließend steckst du dann den obersten Knips deines Ärmels und die Schulternaht aufeinander. So – jetzt geht es an das Einhalten der Mehrweite

Mehrweite einhalten – Ärmel über Hand/Finger in Rundung legen

Du wirst nun feststellen, dass nicht mehr alle Knipse deiner Armkugel und deines Armausschnittes einfach so aufeinander passen. Wir müssen die Mehrweite nun einhalten. Dafür ziehst du leicht am Unterfaden, mit dem du zuvor deine Armkugel schon eingereiht hast. Ziehe so lange am Faden bis die Armkugel die Weite deines Armausschnittes hat und die Knipse nun wieder aufeinander passen.

Ärmel einsetzen Ärmel Mehrweite einhalten

Stecke nun zunächst die Knipse aufeinander. Die entstandenen „Fältchen“ durch die Mehrweite verteilst du in deiner Nahtzugabe. Viel hilft hierbei viel, vor allem am Anfang – d.h. stecke dir ruhig viele einzelne senkrechte Stecknadeln um die Mehrweite und die Fältchen so zu verteilen, dass sie in der Nahtzugabe und NICHT auf deiner Nahtlinie liegen.

Das Verteilen der Mehrweite und das Feststecken des Ärmels geht dir viel leichter von der Hand, wenn du deinen Ärmel in der Rundung über deinen Handballen/deine Finger legst. Durch die dabei entstandenen Rundung wird die Strecke der Armkugel nämlich automatisch länger und lässt sich dadurch viel besser einhalten und feststecken. Schau dir dafür gerne mein YouTube Video an, um diese Vorgehensweise genauer zu verstehen.

Ärmel vorher an Oberteil mit Handstichen heften

Bei besonders viel Mehrweite oder wenn du im Ärmel einhalten noch nicht so geübt bist, solltest du deinen Ärmel zunächst mit ein paar Handstichen in deine Armausschnitt heften, bevor du mit der Nähmaschine ran gehst.

Durch die Heftstiche mit der Hand kannst du bereits die Mehrweite ordentlich verteilen und senkst damit die Gefahr, dass du später mit der Nähmaschine Falten einnähst.

Mehrweite / Fältchen in die Nahtzugabe „streichen“

Ärmel einsetzen ohne Falten

Damit schließlich auch beim Einnähen des Ärmels mit der Nähmaschine alles glatt läuft, kannst du während des Nähens mit einer Stecknadel die Mehrweite vorsichtig in die Nahtzugabe nach außen streichen.

Ich hoffe, dass meine Tipps zum Ärmel einhalten hilfreich für dich waren.

Alle Tipps findest du auch in meinem YouTube Video. Dort zeige ich dir am Beispiel meines Schnittmusters VALENTINA, wie du ganz einfach Ärmel einhalte und einsetzen kannst.

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Liebste Grüße

Deine Anja

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